Gestern fand eine ganz besondere Teeveranstaltung in Bremen statt. Im Restaurant Vegefam wurde die ostasiatische Teekultur mit besonderen Gästen gefeiert.
Aus Sicht des Teetrinkers war für mich Herr Lü der Grund für den Besuch. Doch auch die Kalligrafie und die Guzheng Klänge gaben dem Sonntag Nachmittag etwas Besonderes. Herr Lü ist im Vorstand des Teewelt-Verbands und versorgte die begeisterten Gäste mit wunderbaren Oolong Tees. Während der gesamten Teeveranstaltung wurden die Gäste mit einer Teeschale nach dem anderen versorgt. Selbst für mich, als erfahrenden Oolong Trinker waren die unterschiedlichen Geschmacksrichtung und Nuancen überraschend. Nach der fünften Teeschale dachte ich, wir hätten nun 3 Sorten verschiedene Tees getrunken, doch es war immer noch der selbe Tee. Die verschiedenen Aufgüsse, immer hin bis zu 10 Mal, unterschieden sich sehr stark in der Ausdruckskraft.
Insgesamt wurden vier verschiedene Tees über den Nachmittag aufgegossen. Herr Lü zeigte wie man den Tee in Taiwan aufgießt. Die 20 und 1 Regeln wurde dabei angewendet. Diese besagt, dass bei einem 0,20 Liter Teekännchen 10 Gramm Tee verwendet werden. Also auf ein Teil Tee kommen 20 Teile Wasser. Für uns sparsamen Deutschen erst mal eine Überraschung. Doch nach 10 Aufgüssen hat man dann 2 Liter. Hört man auf die hiesigen Teehändler, sollen ca. 10-14 Gramm Tee pro Liter verwendet werden, daraus werden dann bis zu 3 Liter Heißgetränk. (Bei drei Aufgüssen) Da Herr Lü aber genau weiß war der macht, war es auf jeden Fall ein Hochgenuss. Besser gesagt ca. 20 Hochgenüsse, so oft wurde einem nachgeschenkt.
Die gerollten Blätter wurde beim ersten Aufguss mit fast noch kochendem Wasser übergossen, die darauf folgenden mit dem immer mehr kühler werdenden Wasser.
Wer sich jetzt eine stocksteife Teeveranstaltung vorstellt, der liegt falsch. Es wurde viel gelacht und die Anwesenden haben sicherlich viel Neues mitnehmen können. Es war mehr ein Seminar mit kulturellen Einlagen, als eine Zeremonie. Als den Zuhörern von einem Oolong berichtet wurde, der von Insekten gebissen wurde und die Übersetzerin anstatt Zikaden von Würmern erzählte, war die Skepsis in den Gesichtern groß. Noch größer durfte die Erleichterung gewesen sein, als die Auflösung folgte. Ein Insekt das weg fliegt schien wohl angenehmere Assoziationen zu wecken als ein kriechendes Insekt. Geschmeckt hat er auf jeden Fall jedem.
Zum Abschied wurden mir noch Verkostungsproben zu den getrunkenen Tees geschenkt. Mal sehen ob ich diese in der Qualität aufgießen kann wie Herr Lü. Doch der Teemeister ist sich ziemlich sicher, sagte er doch “Tee zu zubereiten ist ganz einfach - jeder kann das”.
Autor: Marc
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