Das Märchen vom Koffein?

07.12.10

Koffein-Molekuel-220x182px.jpgJa wir Deutschen sind schon so ein Völkchen. Wir lieben Bier und Sauerkraut, tanzen von Süd nach Nord in Lederhosen - glaubt man einigen stereotypischen Betrachtung aus dem Ausland. Und wir lieben unseren Kaffee, glaubt man den Zahlen der Kaffeeindustrie sogar mehr als Bier.

Besonders morgens greifen viele Deutsche zum schwarzen Bohnengetränk um auf Touren zu kommen, dank des enthaltenen Koffeins. Doch genau dort soll der Knackpunkt liegen. Denn eine neue Studie über Koffein soll etwas anderes herausgefunden haben. Kernaussage ist, dass sie stimulierende Wirkung von Koffein nichts weiter als Einbildung sein könnte.

Die Studie zeigt, dass die gewohnte morgendliche Tasse Kaffee in Wirklichkeit keine Wirkung hat. Dafür testete ein englisch-deutsche Forscherteam die Wirkung von Koffein und die eines Placebos an 379 Versuchspersonen, nachdem sie sechzehn Stunden lang kein Koffein zu sich genommen hatten. Die Tests wiesen kaum Unterschiede bei der Munterkeit der Versuchspersonen auf.

Knapp die Hälfte der Probanden nahm für gewöhnlich kein oder nur wenig Koffein zu sich. Die anderen 50% dagegen mittlere Mengen bis viel Koffein.

Wiederherstellung des „Normalzustands“

Regelmäßiger Koffeinkonsum soll eine Toleranz gegenüber den von Koffein ausgelösten Ängsten und stimulierenden Wirkungen entwickeln. Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, mögen vielleicht das Gefühl haben, davon munter zu werden. Doch die gewonnen Ergebnisse belegen, dass dieser Eindruck in Wirklichkeit nur auf der Reduktion der Ermüdungserscheinungen bei akutem Koffeinentzug beruht. Und wenn man die Angst auslösenden und Blutdruck steigernden Effekte von Koffein berücksichtigt, hat der Kaffeetrinker netto gar keinen Nutzen.

Peter Rogers von der Abteilung Experimentelle Psychologie der University of Bristol in Großbritannien und Autor der Studie, erklärt: „Unsere Untersuchung zeigt, dass Menschen vom Koffeinkonsum keinerlei Vorteile haben – obwohl wir das Gefühl haben, davon munter zu werden, stellt das Koffein lediglich den Normalzustand wieder her. Andererseits bedeutet Toleranz auch, dass obwohl Koffein Angstgefühle verstärken kann.”

Ich gebe zu, die Kenntnisse sind etwas schwer zu verstehen, wahrscheinlich weil auch der Quelltext zum Teil sehr umständlich geschrieben ist. Den ganzen Artikel findet man hier

Solle es tatsächlich so sein - was für Erkenntnisse! Ist eine ganze Nation (Menschheit) einem Märchen auf dem Leim gegangen? Nichts war doch so gefestigt, wie Kaffee macht munter und auch das Koffein im Tee hält länger wach. Was könnte als nächstes kommen? Aspirin hilft gar nicht bei Kopfschmerzen oder grüner Tee ist eigentlich rot!

Treffend ein Satz von Mark Twain: Man kann die Erkenntnisse der Medizin auf eine knappe Formel bringen: Wasser, mäßig genossen, ist unschädlich.

Doch auf der anderen Seite habe ich des öfteren gesagt oder auch von anderen Menschen gehört. “Koffein wirkt bei mir nicht.” Oder auch “ich kann trotz Koffein gut schlafen”.

Kommentare

  • Verhält sich wohl ähnlich wie bei Rauchern, die eine rauchen müssen, um "runterzukommen". Diese kommen lediglich von dem Stress runter, den sie haben, weil ihr Körper nach Nikotin schreit. Ähnlich kann man sich das glaube ich bei Koffeein vorstellen. Trinkt man hingegen so gut wie nie koffeeinhaltige Getränke, wirkt das natürlich entsprechend extremer.

    @moeffju auf Twitter hat dazu auf dem letzten Barcamp Hamburg einen sehr guten Vortrag gehalten.

    von Nils vor etwa 1 Jahr

  • Hallo Nils, du hast recht, der eine Körper reagiert so, ein weiterer wieder ganz anders. !00% Aussagen wird es im Bereich Ernährung nie richtig geben können, dafür sind wir halt doch verschieden.

    von Marc vor etwa 1 Jahr

  • Hallo!

    Es ist in der Tat so: Der Körper gewöhnt sich an stetigen Koffeingenuss und regelt auf Dauer die Wirkung des Koffeins herunter. Von daher brauchen Kaffee-, und auch Teetrinker ein gewisses Maß an Koffeinzufuhr, um normal zu funktionieren.
    Koffein löst übrigens nur beim Kaffee Stress aus (Adrenalinausschüttung in der Nierennebenrinde). Beim Tee wirkt es aufgrund seiner Bindung an die Gerbstoffe erst im Gehirn und unterdrückt die Ermüdung des Gehirns für eine gewisse Zeit.
    Eine Abhängigkeit stellt sich aber auch hier ein (wenn man regelmäßig viel Tee trinkt).
    Aber bei uns in Ostfriesland wird sehr viel Tee getrunken und die Menschen werden dabei ziemlich alt - so ungesund kann Tee nicht sein.

    von Meino vor etwa 1 Jahr

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