Der Teebeutel als Marketinginstrument?

18.01.11

Tee_Blog_Teebeutel.png Von Sabine Schlee

Er ist ein Politikum unter den Tee-Experten. Auch wenn ihm der Ruf vorauseilt mit minderwertigem Tee befüllt sein und zu wenig Entfaltungsmöglichkeit zu bieten, so ist er an Praktikabilität nicht zu übertreffen. Doch er scheint er viel mehr zu sein als eine Zubereitungshilfe.

1904 verschickte Thomas Sullivan Teeproben an Kunden in kleinen Seidenbeuteln. Nach einer eher durchwachsenen Erfolgsgeschichte in den folgenden Jahren mit Spitznamen wie Pompadour in Frankreich oder Teebombe im Deutschland des Ersten Weltkriegs gelang Adolf Rambold bei Teekanne 1929 mit dem Doppelkammerbeutel mit Metallklammer der Durchbruch.

Seither schleust der Teebeutel hunderte verschiedene Sorten in die Tassen der Deutschen und gibt sich in der Konsumwelt als Evergreen. Verändertes estätisches Empfinden und der Drang nach Innovation brachten zum Beispiel den Teebeutel in Pyramidenform hervor, der aus Polylactid bestehend, eine neue Dimension der Geschmacksentfaltung verspricht. Seitdem die Welt nachhaltiger denkt, wollte der Teebeutel auch ganz vorne mitspielen. Wir erinnern uns an die Szene aus „Otto- der Außerfriesische“, wo Beutel, Metallklammer und Etikett noch getrennt recycled werden mussten. Doch mit der Knotentechnik war schnell eine umweltfreundliche Lösung gefunden und die Laurens Spethmann Holding (Meßmer, Milford) zum Beispiel spart seit ein paar Jahren 50 Tonnen Aluminium. Ein Blick über den Atlantik in nicht weit enfernte Großbritannien zeigt, dass es noch pfiffigere Lösungen gibt: Der runde Teebeutel ohne Schnur und Etikett - very elegant, so very British! Er hat sich in Deutschland bisher nicht durchgesetzt. Lautet die Devise hier etwa: „warum einfach, wenn es auch umständlich geht“? Vielleicht steckt aber auch mehr dahinter.

Nicht immer, aber oft, sehen wir die Ziehzeit auf dem Etikett vermerkt. Das scheint wichtig, da man die Packung meist schon wieder ins Regal gestellt hat, wenn das Wasser kocht und wir den Tee aufbrühen. Die andere und wohl wichtigere Funktion ist der Teebeutel als Werbeträger. Die wohl kleinste Litfasssäule der Welt könnte nicht besser platziert sein: Unmittelbar während oder vor dem Genuss des Produkts! Markenbewusstsein ist in Deutschland ein fester Bestandteil im unternehmerischen Denken seit es „Made in Germany“ gibt und der Teebeutel fährt als Produkt konstant höhere Gewinne ein als loser Tee in gleicher Menge.

Doch auch die Marketingwelt dreht sich weiter und eine reine Markenpräsenz reicht oft nicht mehr aus um den Konsumenten zu beeindrucken. Der Grad an Differenzierung kann in der Geschmacksdimension aufgenommen werden: Versetzt mit derzeit modischen Kräutern wie Zitronengras oder Ingwerwurzel lässt sich scheinbar aus jedem Basistee ein trendiges Highlight machen. Aber mal wieder bietet auch allein das Etikett am Teebeutel eine weitere Differenzierungsstrategie. Die Firma YogiTea setzt auf „experience marketing“ und druckt philosophische Sprüchlein auf die Etiketten. Was gibt es Passenderes als den Glückskeks in Teeform, der für jeden Konsumenten eine Glücksbotschaft bereithält und den Tag bei einer Tasse Yogi-Tee gleich weniger grau erscheinen lässt?

Seither haben sich schon Nachahmer gefunden und es bleibt abzuwarten, wie der Teebeutel auch in Zukunft ein unentbehrliches Mittel der Markenkommunikation bleiben wird.

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